MaaS – wie eine europäische Entwicklung die Mobilität revolutioniert

März 17, 2021
4 min
Die Corona-Pandemie hat sich auf fast alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens ausgewirkt. Auch mit Blick auf die Mobilität hat die Krise für noch nie da gewesene Verhältnisse gesorgt und Entwicklungen beschleunigt, die sich sonst wahrscheinlich erst in einigen Jahren realisiert hätten. Mobility-as-a-Service (MaaS) kann eine Lösung für Mobilitätsanbieter sein, um mit den Folgen der Pandemie umzugehen.
Mobility-as-a-Service (MaaS) bestimmt die Zukunft von Mobilität in unseren Städten: Die Möglichkeit, alle Verkehrsmittel miteinander zu vernetzen, ist Grundlage moderner Stadt- und Verkehrsplanung. Die Nutzer können entscheiden, welche Mobilitätsangebote sie nutzen wollen und wie sie sich in Städten fortbewegen. Damit verbunden ist eine Änderung des Nutzungsverhaltens - im besten Fall weg von privaten Autos hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Voraussetzung für MaaS war die flächendeckende Verwendung von Smartphones. Heute kann MaaS den Zugang zu allen Verkehrsmitteln buchstäblich durch Tippen auf den Bildschirm bieten. Es ist außerdem ein Mittel, um die von der Politik und großen Teilen der Gesellschaft angestrebte Verkehrswende herbeizuführen. Bei der Umsetzung des Konzepts lassen sich von Anfang an zwei unterschiedliche Herangehensweisen auf beiden Seiten des Atlantiks erkennen.
Autor: Felix Salfner, Head of Product

First Mover in Nordamerika

Als Startschuss für MaaS kann das Jahr 2014 gel­ten. In diesem Jahr kon­nte Uber in ein­er Finanzierungsrunde 1,2 Mrd. US-Dol­lar ein­sam­meln. Zu den wichtig­sten Inve­storen gehörten Google und Gold­man Sachs. Dieses Ereig­nis ist beispiel­haft für einen Trend, der Mitte der 2010er Jahre zunehmend an Bedeu­tung gewon­nen hat: Mobile dig­i­tale Plat­tfor­men als Enabler für Shar­ing-Econ­o­my und On-Demand-Ser­vices, die über lokale Lösun­gen hin­aus­ge­hen. Wesentlich­es Merk­mal dieser Anwen­dun­gen ist eine ein­fache Bedi­enung über das Smart­phone (User Expe­ri­ence, UX). In Nor­dameri­ka set­zt man dafür auf neue Marken, die mit erhe­blichem Aufwand um Nutzer wer­ben (Busi­ness-to-Con­sumer, B2C). Der europäis­che Entwurf sieht anders aus.

MaaS – (auch) eine europäische Idee

Während “Big Cap­i­tal” in Nor­dameri­ka bei der Entwick­lung dig­i­taler Geschäftsmod­elle im Mobil­itäts­bere­ich neue Maßstäbe set­zt, waren die Anfänge in Europa beschei­den­er. Im Mai 2014 gab die Stu­dentin Son­ja Heikkilä ihre Mas­ter­ar­beit “Mobil­i­ty as a Ser­vice – A Pro­pos­al for Action for the Pub­lic Admin­is­tra­tion, Case Helsin­ki” ab. Die Arbeit erregte inter­na­tion­al Auf­se­hen. Weltweit berichteten die Medi­en über Heikkilä und den Ver­such Helsinkis, den Verkehr in Städten dig­i­tal, neu und nach­haltig umzugestal­ten. Im Mit­telpunkt ste­ht die Zusam­me­nar­beit von Kom­munen und Verkehrsun­ternehmen (Busi­ness-to-Gov­ern­ment, B2G), um ein Ange­bot zum Nutzen der Bürg­er zu schaf­fen.  Das “Helsin­ki-Mod­ell” ist die Geburtsstunde von MaaS im engeren Sinne und löste große Begeis­terung aus. Einige Jahre später hat MaaS nichts von dieser Fasz­i­na­tion verloren.

Weshalb MaaS begeistert

Zu dieser Zeit habe ich zunächst für SAP und dann für Soft­ware Diag­nos­tics gear­beit­et und bin für meinen Job viel gereist. In jed­er Stadt, in die ich kam, stand ich vor der­sel­ben Her­aus­forderung: Ich musste mich in ver­schiede­nen Tar­if­sys­te­men zurechtfind­en und aus unter­schiedlichen Ange­boten auswählen, um mit öffentlichen Verkehrsmit­teln schnell und pünk­tlich zu meinen Ter­mi­nen zu kom­men. Die meis­ten damals ver­füg­baren Apps beschränk­ten sich auf die Funk­tion der Routen­suche. Außer­dem musste man für Bus und Bahn oder das Taxi jew­eils eigene Apps instal­lieren und sich anmelden. Mit der zunehmenden Zahl an Mobil­ität­san­bi­etern wurde auch die Zahl der Apps größer. Damals habe ich die Entwick­lun­gen in Nor­dameri­ka und die Berichter­stat­tung über Helsin­ki aufmerk­sam ver­fol­gt und mich gefragt, ob das auch in Deutsch­land ein­fach­er geht. Heute arbeite ich bei Mobimeo als Head of Prod­uct daran, alle Mobil­ität­sange­bote auf ein­er einzi­gen Plat­tform ver­füg­bar zu machen. Sie verbindet den öffentlichen Per­so­nen­nahverkehr (ÖPNV) mit Taxis, Shar­ing-Ange­boten wie Fahrrädern, E‑Scootern oder Autos und vielem mehr.

Die Vorteile von MaaS für die Gesellschaft, die Umwelt und den einzel­nen Nutzer sind:

– Indi­vid­u­al­isierung und flex­i­ble Anpas­sung an Bedürfnisse des Nutzers durch Multimodalität
– Nach­haltigkeit durch kli­mafre­undliche Alter­na­tiv­en zum pri­vat­en Auto
– Ent­las­tung des städtis­chen Verkehrs, z. B. durch bessere Auslastung
– Neue Abrech­nungsmod­elle für Mobilität

Mobil­ität ist aber auch ein umkämpfter Mul­ti-Mil­liar­den-Euro-Markt. Deshalb drän­gen neue Akteure in diesen Markt und Inve­storen erwarten hohe Profite.

MaaS erfordert langfristiges Engagement

Auf eine frühe enthu­si­astis­che Phase Mitte der 2010er Jahre fol­gte erst ein­mal Ernüchterung. First Mover wie Uber, Lyft und viele Mobil­i­ty-Ser­vice-Provider (MSP) sind bis heute nicht prof­ita­bel. Die erste Dekade von MaaS, in der wir uns nach wie vor befind­en, ist geprägt von rel­a­tiv gerin­gen Nutzerzahlen und einem großen Ange­bot an Dien­stleis­tern. Selb­st in Helsin­ki, der europäis­chen Geburtsstadt von MaaS, sind die Nutzerzahlen viel geringer als gedacht. Die Erken­nt­nis: Inner­halb weniger Jahre lässt sich eine grundle­gende Verän­derung des Mobil­itätsver­hal­tens, wie sie mit MaaS angestrebt wird, nicht erre­ichen. Die Ziele sind langfristiger und set­zen ein Zusam­men­spiel viel­er Akteure voraus. Derzeit bieten Deutsch­land und Europa dafür die besten Rahmenbedingungen.

Gute Vorzeichen für europäische Innovationen

Geset­zesini­tia­tiv­en der Europäis­chen Union wie der Dig­i­tal Mar­kets Act, der Dig­i­tal Ser­vices Act und die Daten­schutz­grund­verord­nung (DSGVO) sind ein starkes Zeichen dafür, dass mit einem neuen europäis­chen Selb­st­be­wusst­sein eigene Lösun­gen beim Auf­bau und Betrieb dig­i­taler Plat­tfor­men geschaf­fen wer­den kön­nen. De europäis­chen Rah­menbe­din­gun­gen tra­gen dazu bei, Stan­dards für Trans­parenz und Daten­schutz zu erhöhen. Die damit ver­bun­de­nen Anforderun­gen kön­nen von europäis­chen Tech-Fir­men bei der Konzep­tion ihrer Ange­bote von Anfang an mitgedacht werden.

Besser als Google & Co 

Der ÖPNV ist der Dreh- und Angelpunkt der Verkehr­swende in Deutsch­land. Er ist das Rück­grat für Mobil­ität in Gemein­den, Städten und Regio­nen und ermöglicht eine kli­mafre­undliche und nach­haltige Mobil­ität. Schon heute ver­wen­den Mil­lio­nen von Nutzern auch die dig­i­tal­en Ange­bote “ihrer” ÖPNV-Betreiber, zum Beispiel zum Suchen der besten Verbindung über die Web­site oder über eine App. Damit haben Verkehrsun­ternehmen und ‑ver­bünde in einem ersten Schritt Grund­la­gen für eine erfol­gre­iche Verkehr­swende geschaf­fen: Eine dig­i­tale Schnittstelle zu ihren Kun­den, die jet­zt weit­er auf- und aus­ge­baut wer­den muss, um die Apps zum zen­tralen Zugangspunkt für Mobil­ität zu machen und die Kun­den dauer­haft zu binden. Mit dem Auf­bau dieser Schnittstelle entste­ht die Auf­gabe, ver­ant­wor­tungsvoll mit entste­hen­den Dat­en und Erken­nt­nis­sen umzuge­hen. Da der Zugang zu All­t­agsmo­bil­ität und der Ein­satz der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­tel für den Auf­bau ein­er bedarf­s­gerecht­en Infra­struk­tur in erster Lin­ie lokal und region­al Wirkung ent­fal­tet wird, sind Kom­munen, Verkehrsver­bünde und ‑unternehmen auch für MaaS die ersten Ansprech­part­ner von Bürg­ern und Nutzern vor Ort. Die große Chance liegt in der Verbindung aller Verkehrsmit­tel: So kön­nen für die Bedürfnisse aller Nutzer­grup­pen – von Dig­i­tal Natives bis zu Beruf­spendlern – Ange­bote aus ein­er Hand gemacht wer­den, die auf ihre jew­eili­gen Bedürfnisse angepasst werden.

Mobimeo – Changing the way cities move

Mit intu­itiv zu bedi­enen­den Apps, naht­los einge­bun­de­nen mul­ti­modalen Alter­na­tiv­en und allen rel­e­van­ten Infor­ma­tio­nen während der Fahrt begeis­tern wir die Nutzer von Apps, die auf unser­er Plat­tform für MaaS-Lösun­gen auf­bauen. Als Prod­uct-Com­pa­ny sind wir in der Lage, unsere Erken­nt­nisse – zum Beispiel aus Nutzer­be­fra­gun­gen – in neue Fea­tures zu über­führen, die wir für unsere Kun­den ver­füg­bar machen. Dadurch erre­ichen wir bei kurzen Entwick­lungszyklen eine große Zahl an Nutzern. Auf der Grund­lage der von uns bere­it­gestell­ten Dat­en kön­nen Kom­munen, Verkehrsver­bünde- und unternehmen bessere Entschei­dun­gen tre­f­fen, welche dig­i­tal­en Ange­bote sie ihren Nutzern machen wollen, wie sie mit ihnen kom­mu­nizieren und wie sie die Nutzer an sich binden. Auf der Grund­lage unser­er Plat­tform kön­nen sie sowohl kom­plette Apps als auch einzelne Mod­ule inner­halb ihrer beste­hen­den Apps umset­zen und so ihr Ange­bot erweit­ern und ihre Kun­den dauer­haft binden.

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