MaaS – wie eine europäische Entwicklung die Mobilität revolutioniert

Autor: Felix Salfner, Head of Product

Mobility-as-a-Service (MaaS) bestimmt die Zukunft von Mobilität in unseren Städten: Die Möglichkeit, alle Verkehrsmittel miteinander zu vernetzen, ist Grundlage moderner Stadt- und Verkehrsplanung. Die Nutzer können entscheiden, welche Mobilitätsangebote sie nutzen wollen und wie sie sich in Städten fortbewegen. Damit verbunden ist eine Änderung des Nutzungsverhaltens - im besten Fall weg von privaten Autos hin zu einer nachhaltigen Mobilität. Voraussetzung für MaaS war die flächendeckende Verwendung von Smartphones. Heute kann MaaS den Zugang zu allen Verkehrsmitteln buchstäblich durch Tippen auf den Bildschirm bieten. Es ist außerdem ein Mittel, um die von der Politik und großen Teilen der Gesellschaft angestrebte Verkehrswende herbeizuführen. Bei der Umsetzung des Konzepts lassen sich von Anfang an zwei unterschiedliche Herangehensweisen auf beiden Seiten des Atlantiks erkennen.

First Mover in Nordamerika

Als Startschuss für MaaS kann das Jahr 2014 gelten. In diesem Jahr konnte Uber in einer Finanzierungsrunde 1,2 Mrd. US-Dollar einsammeln. Zu den wichtigsten Investoren gehörten Google und Goldman Sachs. Dieses Ereignis ist beispielhaft für einen Trend, der Mitte der 2010er Jahre zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: Mobile digitale Plattformen als Enabler für Sharing-Economy und On-Demand-Services, die über lokale Lösungen hinausgehen. Wesentliches Merkmal dieser Anwendungen ist eine einfache Bedienung über das Smartphone (User Experience, UX). In Nordamerika setzt man dafür auf neue Marken, die mit erheblichem Aufwand um Nutzer werben (Business-to-Consumer, B2C). Der europäische Entwurf sieht anders aus.

MaaS – (auch) eine europäische Idee

Während “Big Capital” in Nordamerika bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle im Mobilitätsbereich neue Maßstäbe setzt, waren die Anfänge in Europa bescheidener. Im Mai 2014 gab die Studentin Sonja Heikkilä ihre Masterarbeit “Mobility as a Service – A Proposal for Action for the Public Administration, Case Helsinki” ab. Die Arbeit erregte international Aufsehen. Weltweit berichteten die Medien über Heikkilä und den Versuch Helsinkis, den Verkehr in Städten digital, neu und nachhaltig umzugestalten. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit von Kommunen und Verkehrsunternehmen (Business-to-Government, B2G), um ein Angebot zum Nutzen der Bürger zu schaffen.  Das “Helsinki-Modell” ist die Geburtsstunde von MaaS im engeren Sinne und löste große Begeisterung aus. Einige Jahre später hat MaaS nichts von dieser Faszination verloren.

Weshalb MaaS begeistert

Zu dieser Zeit habe ich zunächst für SAP und dann für Software Diagnostics gearbeitet und bin für meinen Job viel gereist. In jeder Stadt, in die ich kam, stand ich vor derselben Herausforderung: Ich musste mich in verschiedenen Tarifsystemen zurechtfinden und aus unterschiedlichen Angeboten auswählen, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell und pünktlich zu meinen Terminen zu kommen. Die meisten damals verfügbaren Apps beschränkten sich auf die Funktion der Routensuche. Außerdem musste man für Bus und Bahn oder das Taxi jeweils eigene Apps installieren und sich anmelden. Mit der zunehmenden Zahl an Mobilitätsanbietern wurde auch die Zahl der Apps größer. Damals habe ich die Entwicklungen in Nordamerika und die Berichterstattung über Helsinki aufmerksam verfolgt und mich gefragt, ob das auch in Deutschland einfacher geht. Heute arbeite ich bei Mobimeo als Head of Product daran, alle Mobilitätsangebote auf einer einzigen Plattform verfügbar zu machen. Sie verbindet den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit Taxis, Sharing-Angeboten wie Fahrrädern, E-Scootern oder Autos und vielem mehr.

Die Vorteile von MaaS für die Gesellschaft, die Umwelt und den einzelnen Nutzer sind:

– Individualisierung und flexible Anpassung an Bedürfnisse des Nutzers durch Multimodalität
– Nachhaltigkeit durch klimafreundliche Alternativen zum privaten Auto
– Entlastung des städtischen Verkehrs, z. B. durch bessere Auslastung
– Neue Abrechnungsmodelle für Mobilität 

Mobilität ist aber auch ein umkämpfter Multi-Milliarden-Euro-Markt. Deshalb drängen neue Akteure in diesen Markt und Investoren erwarten hohe Profite.

MaaS erfordert langfristiges Engagement

Auf eine frühe enthusiastische Phase Mitte der 2010er Jahre folgte erst einmal Ernüchterung. First Mover wie Uber, Lyft und viele Mobility-Service-Provider (MSP) sind bis heute nicht profitabel. Die erste Dekade von MaaS, in der wir uns nach wie vor befinden, ist geprägt von relativ geringen Nutzerzahlen und einem großen Angebot an Dienstleistern. Selbst in Helsinki, der europäischen Geburtsstadt von MaaS, sind die Nutzerzahlen viel geringer als gedacht. Die Erkenntnis: Innerhalb weniger Jahre lässt sich eine grundlegende Veränderung des Mobilitätsverhaltens, wie sie mit MaaS angestrebt wird, nicht erreichen. Die Ziele sind langfristiger und setzen ein Zusammenspiel vieler Akteure voraus. Derzeit bieten Deutschland und Europa dafür die besten Rahmenbedingungen.

Gute Vorzeichen für europäische Innovationen

Gesetzesinitiativen der Europäischen Union wie der Digital Markets Act, der Digital Services Act und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sind ein starkes Zeichen dafür, dass mit einem neuen europäischen Selbstbewusstsein eigene Lösungen beim Aufbau und Betrieb digitaler Plattformen geschaffen werden können. De europäischen Rahmenbedingungen tragen dazu bei, Standards für Transparenz und Datenschutz zu erhöhen. Die damit verbundenen Anforderungen können von europäischen Tech-Firmen bei der Konzeption ihrer Angebote von Anfang an mitgedacht werden.

Besser als Google & Co 

Der ÖPNV ist der Dreh- und Angelpunkt der Verkehrswende in Deutschland. Er ist das Rückgrat für Mobilität in Gemeinden, Städten und Regionen und ermöglicht eine klimafreundliche und nachhaltige Mobilität. Schon heute verwenden Millionen von Nutzern auch die digitalen Angebote “ihrer” ÖPNV-Betreiber, zum Beispiel zum Suchen der besten Verbindung über die Website oder über eine App. Damit haben Verkehrsunternehmen und -verbünde in einem ersten Schritt Grundlagen für eine erfolgreiche Verkehrswende geschaffen: Eine digitale Schnittstelle zu ihren Kunden, die jetzt weiter auf- und ausgebaut werden muss, um die Apps zum zentralen Zugangspunkt für Mobilität zu machen und die Kunden dauerhaft zu binden. Mit dem Aufbau dieser Schnittstelle entsteht die Aufgabe, verantwortungsvoll mit entstehenden Daten und Erkenntnissen umzugehen. Da der Zugang zu Alltagsmobilität und der Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel für den Aufbau einer bedarfsgerechten Infrastruktur in erster Linie lokal und regional Wirkung entfaltet wird, sind Kommunen, Verkehrsverbünde und -unternehmen auch für MaaS die ersten Ansprechpartner von Bürgern und Nutzern vor Ort. Die große Chance liegt in der Verbindung aller Verkehrsmittel: So können für die Bedürfnisse aller Nutzergruppen – von Digital Natives bis zu Berufspendlern – Angebote aus einer Hand gemacht werden, die auf ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden.

Mobimeo – Changing the way cities move

Mit intuitiv zu bedienenden Apps, nahtlos eingebundenen multimodalen Alternativen und allen relevanten Informationen während der Fahrt begeistern wir die Nutzer von Apps, die auf unserer Plattform für MaaS-Lösungen aufbauen. Als Product-Company sind wir in der Lage, unsere Erkenntnisse – zum Beispiel aus Nutzerbefragungen – in neue Features zu überführen, die wir für unsere Kunden verfügbar machen. Dadurch erreichen wir bei kurzen Entwicklungszyklen eine große Zahl an Nutzern. Auf der Grundlage der von uns bereitgestellten Daten können Kommunen, Verkehrsverbünde- und unternehmen bessere Entscheidungen treffen, welche digitalen Angebote sie ihren Nutzern machen wollen, wie sie mit ihnen kommunizieren und wie sie die Nutzer an sich binden. Auf der Grundlage unserer Plattform können sie sowohl komplette Apps als auch einzelne Module innerhalb ihrer bestehenden Apps umsetzen und so ihr Angebot erweitern und ihre Kunden dauerhaft binden.


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